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Die Welt
21. Mai 2007
Komponisten schwimmen in ihrem Element

Ein "Klangnetz" von Deutschland nach Island zu spannen, hat sich der Verein gleichen Namens
vorgenommen. Ganze sieben neue Werke junger Komponisten beider Länder sind dabei jüngst ins Netz
gegangen. Die Ergebnisse dieser Musikfischerei waren am Freitag im Studio E der Laeiszhalle zu hören.
Das isländisch-deutsche Ensemble "adapter" hat die feuchten Noten getrocknet und in exquisiter
farblicher Feinzeichnung dafür gesorgt, dass wirklich keine Nuance der atmosphärisch dichten Musik
verwässerte. Passenderweise waren alle Fundstücke für Flöte, Klarinette, Harfe, Klavier und
Percussion komponiert, Instrumente, die "adapter" wahrlich mit überzeugungskräftig ambitionierten
Musikern zu besetzen weiß.
Asmus Trautsch, in Kiel gebürtiger Komponist und Jungphilosoph, eröffnete den Abend mit einem durch ein Gedicht
des isländischen Dichters Hannes Sigfússons inspirierten Werk: "Mitt Mál" (Meine Sache) spielt mit seinen
trockenen Staccatoschlägen und magisch verschwimmenden Strukturen dezidiert mit dem Element Wasser. Sein
isländischer Kollege Davíð Brynjar Franzson bringt in "The Rules of Irrelevance" dagegen eher den gefrorenen
Aggregatzustand des Urstoffs zum Klingen: knarrende, fauchende, berstende Eisschollen schienen die eigentümlich
quietschenden Instrumente zu imitieren. Das denkbar knapp mit "A" überschriebene Opus von Ingi Gardar
Erlendsson entfesselte eine rhythmusfreudige, gestisch gewitzte Sogkraft, wohingegen Atli Ingólfsson in "The
Blessings of Madness" auf vertrautere, dabei nicht minder berührende motivische Elemente setzte.
Während Sebastian Elikowski-Winkler sich in "Auf ausgetretenen Pfaden" auf gefestigtem Terrain in einem
zwischen Sirenenheulen und Flüstern changierenden Werk bewegt, erzeugt Yoav Pasovsky in "Knatim" einen
gänsehautfördernden Klangfluss irisierender Verästelungen. Reiche Beute.

Peter Krause