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Kieler Nachrichten
22.05.2008
Klirrende Töne aus Island

Kiel – Neue Werke hauptsächlich isländischer Komponisten waren im Konzertsaal des Kulturforums zu
hören, und zwar im Rahmen einer bis nach Reykjavík führenden Konzertreise. Manuel Nawri leitete das
Berliner Ensemble adapter. Neben den Werken der Isländer war mit Mitt Mál auch eines von Asmus
Trautsch zu hören, des jungen, Kieler Komponisten: Das zweisätzige Werk, für die Besetzung Flöte,
Klarinette, Harfe, Klavier und Percussion geschrieben, führte am konsequentesten eine sinfonische
Entwicklung vor.
Die Palette reichte über den brutal klirrenden, von immer wiederkehrenden Staccatoattacken vorangetriebenen
ersten Satz bis zu einem stets erneut aufbrechenden Zwitterzustand aus Elegie und Stillstand. Am weitesten
von Trautschs Ansatz entfernt wirkte Kmatim (Falten) des israelischen Komponisten Yoav Pasovsky. Er wagte
sich weit in klangliche Bereiche vor, forderte dabei vor allem die Flöte, die man ernüchtert meditativ nennen
könnte. Weit entfernt von solcher sinfonisch anmutenden, das Ensemble als Gesamtklangkörper ausschöpfenden
Struktur, war David Brynjar Franzsons Stück The Rules of Irrelevance, bei dem es auf eine radikale Isolierung
und Vereinzelung der instrumentalen Charaktere ankam. Besser gefiel jedoch A von Ingi Gardar Erlendsson,
ein verqueres Werk, das auf der Basis eines jazznahen, rumpelnden Beats des Schlagzeugs und des Klaviers
dahin wuchert, bis es die anvisierten, lang ausgehaltenen Flötentöne erreicht.

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